Caritas und Diakonie in Veränderung - Fachtagung betrieblicher Interessenvertreter diskutiert Herausforderungen und Alternativen zum kircheninternen "Dritten Weg"

Die Rahmenbedingungen für kirchliche Träger im Gesundheits- und Sozialwesen ändern sich zusehends. Bei einer von der Zeitschrift Arbeitsrecht und Kirche gemeinsam mit ver.di, der Bundeskonferenz der Arbeitsgemeinschaften und Gesamtausschüsse der Mitarbeitervertretungen in der Diakonie (buko agmav + ga) sowie der Diakonischen ArbeitnehmerInnen Initiative (dia e.V.) organisierten Fachtagung am 13./14. November 2017 in Kassel waren sich die rund 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Die Beschäftigten müssen bei den anstehenden Umbrüchen mitgenommen werden, die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern.

Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände mit ihren rund 1,1 Millionen Beschäftigten stünden unter "Modernisierungsstress", erklärte Professor Wolfgang Schroeder von der Uni Kassel. Ab Mitte der 1990er Jahre sei die Pflegebranche für den Markt geöffnet worden - mit drastischen Konsequenzen für Träger und Beschäftigte. Caritas und Diakonie sähen sich dabei einerseits als Anwälte und Partner der Benachteiligten, andererseits orientierten sie sich an betriebswirtschaftlichen Prämissen. "Das Spannungsverhältnis zwischen Selbstverständnis und verschärfter Wettbewerbsorientierung untergräbt ihre Legitimität", so der Politikwissenschaftler.

In früheren Zeiten seien auf dem "Dritten Weg" kircheninterner Lohnfindung in der Regel lediglich die Standards des Flächentarifvertrags im öffentlichen Dienst auf die kirchlichen Wohlfahrtsverbände übertragen worden, so der Bremer Rechtsanwalt Bernhard Baumann-Czichon. Seitdem das nicht mehr der Fall ist, gebe es um die Regelung der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen "handfeste Konflikte". Die Geschichte der Arbeitsvertragsrichtlinien in der Diakonie seien "eine Geschichte der Verschlechterungen", kritisierte der Mitorganisator der Kasseler Tagung. Dass es Alternativen dazu gebe, zeige die Diakonie in Niedersachsen, die einen Flächentarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di abgeschlossen hat.

Die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Krankenhäusern seien nicht besser als in kommunalen Kliniken, betonte der saarländische ver.di-Sekretär Michael Quetting. Deshalb seien konfessionelle Häuser im Saarland Teil der von der Gewerkschaft initiierten Bewegung für Entlastung des Krankenhauspersonals. In der katholischen Marienhausklinik in Ottweiler haben Pflegekräfte im Oktober zwei Mal die Arbeit niedergelegt, um für Entlastung und mehr Personal zu demonstrieren - erstmals in einem katholischen Krankenhaus überhaupt. Das zeige: Auch in konfessionellen Einrichtungen könnten sich Beschäftigte kollektiv für ihre Interessen einsetzen, so der Tenor der Tagung betrieblicher Interessenvertreter.

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